Beaufsichtigung eines Jagdhundes

Artikelverfasser: Dr. Georg Schwarzmayr-Lindinger

Unabhängiger Verwaltungssenat des Landes OÖ – publiziert Oberösterreichischer Jäger – Informationsblatt des Oö. Landesjagdverbandes, Ausgabe Nr. 143 – Juni 2014

Einem Jäger wurde zur Last gelegt, dass er seine beiden Jagdhunde nicht entsprechend beaufsichtigt habe und dies dazu geführt hat, dass die Hunde eine Katze angriffen und zu Tode bissen. Von der ersten Instanz wurde von der Bezirkshauptmannschaft wegen dieses Sachverhalts eine Geldstrafe von EUR 250,00 über den Jäger verhängt.
Dem Jäger wurde zur Last gelegt, dass er im Zuge seines Abrichtetrainings der beiden Jagdhunde, wo er die Hunde mit sich führte, damit rechnen hätte müssen, dass sich in allernächster Umgebung von bewohnten Objekten Hauskatzen befinden und diese ja nur in einer Entfernung von mehr als 30 Meter vom nächst bewohnten Haus getötet werden dürfen.

Nachdem die Hunde allerdings lediglich 60 Meter von einem bewohnten Haus entfernt eine freilaufende Katze aufgestöbert und getötet haben, wurde der Jäger von der Bezirkshauptmannschaft wegen einer Verwaltungsübertretung nach dem Hundehaltergesetz verurteilt.

Gegen dieses Erkenntnis wurde von uns Berufung an den Unabhängigen Verwaltungssenat geführt, der der Berufung zur Gänze gefolgt ist. Der Verwaltungssenat hat festgestellt, dass man im Allgemeinen mit Hauskatzen in der Umgebung einer Ortschaft rechnen muss, dies bedeute allerdings nicht automatisch, dass man seinen Hund vorbeugend immer angeleint halten müsse. Außerhalb eines Ortsgebietes besteht eben keine generelle Leinenpflicht. Der Verwaltungssenat hat auch zu Recht festgestellt, dass man davon ausgehen kann, dass sich eine gesunde Katze im Regelfall selbst zu schützen weiß und rechtzeitig flieht, um sich in Sicherheit zu bringen (zum Beispiel auf einen Baum klettern). Gegenständlich hat sich eben die Katze in einem Gebüsch versteckt und war für den Jäger auch nicht wahrnehmbar. Als der Jäger auf die Katze aufmerksam wurde, hat der Hund die Katze bereits vorher entdeckt und sofort durch einen Biss getötet.

Es wurde vorgebracht, dass der Jagdhund die im Gebüsch versteckte Katze mit einem Hasen verwechselt hat, was auch bei einem Jagdbetrieb (Treibjagd) vorkommen könne. Es wurde weiters in der Berufung darauf hingewiesen, dass dann, wenn man zur Vermeidung solcher Vorfälle eine Leinenpflicht verlangen würde, ein effizienter Jagdbetrieb bzw. eine Ausbildung von Jagdhunden nicht mehr möglich sei.

Im Ergebnis hat der Unabhängige Verwaltungssenat festgestellt, dass eine generelle – vorbeugende – Anleinpflicht für Hunde außerhalb des Ortsgebiets eine unzulässige Überspannung von Sorgfaltspflichten darstellt. Eine strafrechtliche Verantwortung darf im modernen Schuldstrafrecht nicht allein am eingetretenen Erfolg anknüpfen.
Der Unabhängige Verwaltungssenat hat das angefochtene Erkenntnis der Bezirkshauptmannschaft aufgehoben und den Jäger in zweiter Instanz rechtskräftig freigesprochen.

Zusammengefasst ist aus juristischer Sicht zunächst festzustellen, dass es eben keine generelle Anleinverpflichtung außerhalb des Ortsgebietes gibt.

Jäger müssen natürlich die Möglichkeit haben, ihre Hunde entsprechend abzurichten, ein Leinenzwang würde dem ja zuwiderlaufen.

Wenn für den Jäger keine Gefahren erkennbar sind, ist er nicht verpflichtet, seinen Hund “vorbeugend anzuleinen”. Umgekehrt ist es allerdings so, dass natürlich dann, wenn die Gefahr eines Schadens für Menschen oder Tiere oder Gegenstände besteht, auch außerhalb eines Ortsgebiets ein Jäger seinen Hund anleinen wird müssen.
Wenn man sich beispielsweise direkt bei einem Haus aufhält, wo Katzen wahrnehmbar sind, wäre es fahrlässig, den Hund “frei laufen zu lassen”. Es besteht ja dann immer die Möglichkeit, dass der Hund auch eine Katze tötet. Wenn allerdings – wie gegenständlich – sich eine Katze versteckt und mithin auch für den Jäger nicht wahrnehmbar ist, bestehen keine Einwände dagegen, den Hund freilaufen zu lassen, auch wenn dieser die Katze dann – wie im gegenständlichen Fall – aufstöbert und tötet.
Im konkreten Fall hat die Bezirkshauptmannschaft markanter Weise den Jäger auch sofort – ohne Einleitung eines Ermittlungsverfahrens -aufgefordert, sein “Jagdschutzabzeichen” bei der Bezirkshauptmannschaft abzugeben. Auch diesem Ansinnen der Bezirkshauptmannschaft konnte erfolgreich begegnet werden, zumal ohne ein Ermittlungsverfahren überhaupt kein diesbezüglicher Handlungsbedarf erkennbar ist.

Der Freispruch im Verfahren ist für den Jäger in letzter Konsequenz auch deswegen wichtig, weil natürlich bei einer entsprechenden Verurteilung auch der Entzug der Jagdkarte gedroht hätte, was in einem separaten Verfahren dann von der Bezirkshauptmannschaft untersucht hätte werden müssen.

Durch den rechtskräftigen Freispruch erübrigt sich eine diesbezügliche Vorgangsweise natürlich und der hundehaltende Jäger ist nach wie vor ein unbescholtener Bürger.